Konrad Meyer, mein Onkel


Mein Onkel, Konrad MEYER (1900 - 1973)


Geboren am 15.11.1900 in Salzderhelden bei Einbeck

Studium der Landwirtschaft an der Universität Göttingen.

1926 Promotion, danach Assistent am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Universität Breslau.

1927 Ass. am Inst. für Pflanzenbau an der Universität. Göttingen.

1930 Habilitation für landwirtschaftlichen. Pflanzenbau.

1930/33 Privat-Dozent am Institut für Pflanzenbau in Göttingen. Vorlesungen zum Pflanzenbau und zur Pflanzenzüchtung. Pflanzenbauliche Publikationen.

1934 Berufung. auf den Lehrstuhl für Acker- und Pflanzenbau an der Universität Jena.

1934/35 Berufung. zum ordentlichen Professor für "Ackerbau und Landbaupolitik" und Direktor eines gleichnamigen Instituts an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Berliner Universität , später in Institut für "Agrarwesen und Agrarpolitik" umbenannt.

Seit Ende 1933 gleichzeitig Mitarbeiter und Leiter des Referats "Allgemeine Biologie, Landbau, Forst und Veterinärwissenschaft" am preußischen Kultusministerium bzw. an dem entsprechenden Reichsministerium. (In dieser Eigenschaft steuerte er als "Multifunktionär " die gesamte Personalpolitik dieser Ressorts ab dieser Zeit!)

1935/40 Leiter der Reichsarbeitsgemeinschaft "Raumforschung".

1935/45 Obmann des "Forschungsdienstes".

1939/45 Leiter einer Planungsstelle im "Reichskommissariat für die Festigung des deutschen Volkstums", das dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, unterstand. Maßgebliche Beteiligung am Entstehen des berüchtigten "Generalplans Ost ", der die Vertreibung und den Tod von Millionen Menschen der osteuropäischen Völker vorsah.

1945/48 durch die amerikanische Militärregierung interniert.

1949 Leiter des Saatzuchtbetriebes RIMPAU in Einbeck.

1956 Berufung. zum ordentlichen Professor für Landbau- und Landesplanung an der Universität Hannover.

1969 Emeritiert. Publikationen zur Raumforschung.

Gestorben 1973 in Salzderhelden bei Einbeck

Konrad Meyer- Hetling (1901 - 1973)
bongards.gmxhome.de

Der studierte Agrarwissenschaftler wird 1931 Mitglied der NSDAP und der SS. Der Aktivist verdankt der Nazibewegung alles - und sie verdankt ihm viel. Er wird d i e zentrale Figur der Raumplanung im Nationalsozialismus. Alle seine vielen Funktionen und Tätigkeiten scheinen darauf hinaus zu laufen, die Raumplanung zu eben dem Instrument zu entwickeln, das sie dann in Polen wurde. Er ist ein Spiegel seiner Zeit. Gegen Ende des Krieges gelingt es Mitarbeitern des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums, vermutlich wesentliche Unterlagen zu vernichten. Konrad Meyer wird in Nürnberg angeklagt, weshalb über ihn heute Informationen vorliegen. Er kann das Gericht in die Irre führen, bekommt drei Jahre für die Mitgliedschaft in der SS. Die Haftzeit ist von 1945 - 1948 auf dem Hohenasperg.

Weitere Links zu Konrad Meyer:

- DER GENERALPLAN OST : EIN FINSTERES KAPITEL BERLINER WISSENSCHAFTSGESCHICHTE -WORKING PAPER NR. 38/1997von Matthias Burchard -Berlin, Juni 1997

- Leseprobe aus seinen Schriften
- historisches-centrum.de
- Konrad Meyer und der "Generalplan Ost"

- Die DFG (Deutsche Forschungsgemienschaft) organisierte 2006 in Bonn eine Ausstellung mit dem Titel "WISSENSCHAFT - PLANUNG - VERTREIBUNG "  -  Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten
Die Rolle des wissenschaftlichen Multifunktionärs Prof. Dr. Konrad Meyer bei der sog. "Geichschaltung der Wissenschaft" ist heute bekannt.
Die ehemalige "grüne" Landwirtschaftsministerin Künast sagte 2003 in Giessen auf einer Veranstaltung der "GRÜNEN" auf eine Frage , "dass  die Landwirtschafts-Wissenschaft gleichgeschaltet und es kein Hüh und Hott mehr geben werde".
Auf den Seiten 11 und 12 des Katalogs zu dieser Ausstellung werden die Parallelen zur Gedanken- und Handlungswelt dieser unseligen Ministerin ersichtlich. Auch in deren Regierungszeit sollten Agrarwissenschaftler offensichtlich "gleichgeschaltet" oder "missbraucht" werden;  viele jedoch mobilisierten sich selbst aus freien Stücken für diese Regierung!
Einige von Ihnen wollen schon heute (Ende 2006) nichts mehr davon wissen, was sie damit angrichtet haben.

Im Lateinuntericht auf dem Gymnasium lernte ich den Satz: "tempora mutantur, nos et mutamur in illis". Wir mögen uns vielleicht im Lauf der Zeit ändern - das Verhalten der Menschheit aber sicher nicht.

Meyer war der erste Schwiegersohn meines Großvater Berkner.
Die Schwester des Ur-Ur-Großvaters von Meyer heiratete den Ur-Ur-Großvater meiner Mutter. Der Meyerhof lag damals neben dem Severinhof in Alferde.
So bin ich - seltsame Verkettung - sowohl von Vater- als auch von Mutterseite mit diesem Onkel verwandt, dessen Beruf ich ergriffen habe und dessen Lebenswerk für mich Anlass ist, gegen jegliche Ideologisierung und Fanatismus aktiv anzukämpfen.

Jedoch haben meine beiden Großväter diesem Onkel wahrscheinlich das Überleben in diesem unseligen System zu verdanken. Denn mein Großvater Severin wurde Ende 1938 denunziert, weil er weiterhin im Nachbarort Eldagsen mit dem Jüdischen Bankhaus "Mosheim" enge Verbindungen pflegte. Als er aufgefordert wurde, diese Verbindungen abzubrechen, soll er zur Antwort gegeben haben, "Da kommt ein hergelaufener (österreichischer) Gefreiter und will mir Severin, die wir jahrhundertelang auf unserem Hof sitzen, vorschreiben, mit wem ich umgehe".

In Folge sollte ihm der Hof weggenommen ("abgemeiert"), er sollte also enteignet werden. Was sonst zu dieser Zeit noch mit ihm geschehen wäre, bleibt der Phantasie überlassen und wäre sicherlich unangenehm gewesen. Meyer "kümmerte sich darum", der Hof durfte unter Staatsaufsicht von meiner Großmutter so lange weiter geführt werden, bis mein Onkel volljährig erklärt wurde. Die guten und intensiven - auch privaten - Kontakte zu Himmler, dem Chef der Gestapo und Diplom-Landwirt, haben dabei sicher enorm geholfen. Bei der geschichtlichen Betrachtung meines Onkels Konrad Meyer stellt sich also heraus, dass es für mich auch menschlich anständige Aspekte zu bewerten gilt - was natürlich einen starken Gewissenskonflikt auslöst.

Ich kenne ihn noch persönlich, wusste jedoch zu der Zeit nichts über seine Vergangenheit, über die nie geredet wurde.